Die chronische Herzinsuffizienz ist eine häufige Komorbidität von PatientInnen, die sich elektiven oder notfälligen chirurgischen Eingriffen und Interventionen unterziehen müssen. Eine Herzinsuffizienz ist mit dem Auftreten von perioperativen Komplikationen, einer erhöhten perioperativen Sterblichkeit und einer steigenden Inzidenz assoziiert. Für die PatientInnen ist ein differenziertes perioperatives Behandlungskonzept essentiell, welches eine präoperative Risikostratifizierung mit ggf. erweiterter Diagnostik, ein adäquates intraoperatives hämodynamisches Management sowie eine angemessene postoperative Überwachung zur Erkennung und Vermeidung von Komplikationen beinhaltet.
Sofern keine Kontraindikationen bestehen, soll eine leitliniengerechte medikamentöse Herzinsuffizienztherapie perioperativ fortgeführt werden. In diesem
Kontext rücken insbesondere SGLT2-Inhibitoren (Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Inhibitoren, SGLT2i) zunehmend in den Fokus des Interesses. In diesem Übersichtsartikel werden die Pathophysiologie der Herzinsuffizienz, die aktuellen Empfehlungen für das perioperative Management der PatientInnen sowie die Besonderheiten des perioperativen Umgangs mit SGLT2i detailliert dargestellt und zusammengefasst.
Die perioperative Antibiotikaprophylaxe (PAP) stellt eine zentrale Maßnahme zur Prävention postoperativer Wundinfektionen dar und ist ein wichtiger Bestandteil der anästhesiologischen Betreuung in der perioperativen Phase. Die im Dezember 2024 publizierte S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) bietet evidenzbasierte Empfehlungen für die korrekte Durchführung der PAP. Die Indikationsstellung richtet sich nach der Wundklassifikation und patientenspezifischen Risikofaktoren. Eine PAP wird generell bei „sauber-kontaminierten“ Eingriffen empfohlen, bei „sauberen“ Operationen sind Risikofaktoren wie Implantatverwendung oder Immunsuppression zu berücksichtigen. Die Substanzwahl orientiert sich primär an der Keimflora des Operationsfelds, wobei Staphylococcus aureus bei vielen Eingriffen eine zentrale Rolle spielt. Standardsubstanzen in der Antibiotikaprophylaxe sind Cephalosporine der ersten und zweiten Generation sowie Aminopenicilline mit β-Lactamaseinhibitor. Bei Kolonisation mit multiresistenten Erregern kann eine spezifische Erweiterung des PAP-Spektrums erforderlich werden. Pharmakologisch wichtige Aspekte umfassen die gewichtsbasierte Dosisanpassung ab 100 – 120 kg Körpergewicht, die Applikation 30 – 60 Minuten vor Hautschnitt und intraoperative Repetitionsdosen nach zwei Halbwertszeiten der jeweiligen Antibiotika. Die PAP sollte in der Regel bei Operationsende beendet werden; Verlängerungen sind nur in wenigen definierten Situationen sinnvoll und durch Evidenz gestützt. Trotz klarer Empfehlungen zeigen Studien erhebliche Optimierungspotentiale in der klinischen Praxis, insbesondere bei der inadäquaten Verlängerung der Prophylaxe. Qualitätsmanagement und Antibiotic-Stewardship-Programme sind essentiell für die korrekte Implementierung der PAP.
Die aktualisierte S1-Leitlinie „Hygieneempfehlungen für die Regionalanästhesie“ bietet einen strukturierten Expertenkonsens zu Hygienemaßnahmen bei zentralen und peripheren Regionalanästhesieverfahren. Im Fokus der Leitlinie stehen die Prävention seltener, aber potenziell schwerwiegender Infektionskomplikationen sowie die Anpassung der Empfehlungen an neue wissenschaftliche Erkenntnisse und klinische Anforderungen. Im Folgenden werden die wesentlichen Inhalte der überarbeiteten S1-Leitlinie und die wichtigsten Änderungen gegenüber der Vorauflage dargestellt (vgl. auch Tab. 1) [1].
Für Details sei auf die publizierte Leitlinie bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) bzw. die Zweitpublikation in der Zeitschrift „Die Anästhesiologie“ hingewiesen [2,3]. Diese Kurzfassung soll Leser*innen einen Ein-stieg in das Thema verschaffen, für Details ist die Lektüre der Originalleitlinie dringend empfohlen.
Im Rahmen der Narkoseeinleitung für einen geplanten thoraxchirurgischen Eingriff bei einem multimorbiden ASA-III-Patienten mit Pleuraempyem kam es zu einer Fehlanlage eines High-Flow-Dreilumen-Katheters in der Arteria carotis. In einem sofortigen interdisziplinären Austausch zwischen den Fachbereichen Anästhesie, Thoraxchirurgie und Gefäßchirurgie wurde beschlossen, zunächst die geplante thoraxchirurgische Operation durchzuführen, um den führenden Infektfokus zu sanieren. Zudem wollte man das Zeitfenster ohne Antikoagulation bei dem Patienten mit einer höhergradigen peripheren arteriellen Gefäßkrankheit, mit stattgehabten multiplen gefäßchirurgischen Eingriffen sowie einer Heparin-induzierten Thromb-openie Typ II für den Thoraxeingriff nutzen. Anschließend wurde der High-Flow-Dreilumen-Katheter von den Gefäßchirurgen aus der Arteria carotis entfernt. Im Verlauf wies der Patient neurologische Defizite auf. Der Fall gab Anlass zu einer Literaturrecherche zu vergleichbaren Komplikationen und Verläufen sowie zu einer Diskussion vorbeugender Maßnahmen gemäß den aktuellen Empfehlungen zum Vorgehen bei der Anlage von zentralen Venenkathetern.
Eine Infektion mit Chromobacterium violaceum durch Kontakt mit kontaminiertem Wasser verursachte bei unserer Patientin im Thailandurlaub zunächst schleichende, grippeähnliche Symptome. Ca. zwei Wochen persistierten Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall und Abgeschlagenheit. Nach 14 Tagen aggravierte die Luftnot und innerhalb weniger Stunden entwickelte sich das Vollbild eines septischen Multiorganversagens, das trotz Antibiose und Maximalmedizin mit ECMO und Dialyse nicht verbessert werden konnte.
Die sekundäre Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH), das Makrophagenaktivierungssyndrom (MAS-HLH) und weitere zum HLH-Spektrum gehörende Subtypen wie das Makrophagenaktivierungs-Like-Syndrom (MALS) sind Sepsis-ähnliche Hyperinflammationssyndrome. Sie werden auf Intensivstationen in über
70 % der Fälle nicht erkannt. Die HLH rechtzeitig zu erkennen und die aktuel-len Empfehlungen hinsichtlich der immunmodulatorischen Therapie zu befolgen, kann ausschlaggebend für den Krankheitsverlauf sein.
Die europäische Eibe ist ein weit verbreitetes mitteleuropäisches Gartengewächs. Schwere Intoxikationen finden sich bevorzugt bei Erwachsenen in suizidaler Absicht. Die giftige Wirkung beruht v. a. auf dem Alkaloid Taxin B, welches in allen Pflanzenbestandteilen enthalten ist. Taxin B entfaltet seine kardio- und neurotoxische Wirkung über eine Blockade von Natrium- und Calcium-Kanälen. Symptomatisch werden die Patienten durch Vigilanzminderung, Krampfanfälle, Blockade des kardialen Reizleitungssystems und durch Einschränkung der myokardialen Kontraktilität mit konsekutivem Schock.